aufstehen.....Und die Fans (Tomas Strobel)


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    Habe mal wieder einen Beitrag ausgekramt, über den es sich lohnen könnte zu diskutieren.
    Tomas Strobel ist der Autor zweier Beiträge, plus eine Antwort von Jürgen Meyer.
    Ab jetzt Zitate: "

    Tomas Strobel Die konkreten Beweggründe und taktischen Erwägungen von Sahra Wagenknecht kenne ich nicht.
    Allerdings hat sie aus meiner Sicht bislang wenig Anlass gegeben, an ihrer guten Absicht zu zweifeln. Ich halte sie nach wie vor für eine Revolutionärin, die unseren, jedenfalls meinen Respekt verdient.

    Sie ist eine Identifikationsfigur, die bis ins rechte Lager hinein wirkt. Ich halte das für eine persönlich sehr schwer zu tragende Last, zumal hinter jeder Ecke, bei jeder vielleicht auch mal unbedachten Bemerkung gleich der Sturm der Entrüstung der einen oder anderen Seite droht. Da ist es nicht leicht, sich ein geschärftes Profil zu bewahren.
    Diese Identifikationsfigur ist indes eine Kunstfigur, die -so glaube ich- mit dem politischen Idealismus, den sie im Herzen trägt, mitunter massiv kollidiert. Damit erbringt sie ein großes persönliches Opfer. Um wieviel leichter ist es doch, seine ganze innere Radikalität hinauszubrüllen, aber um den Preis des Einflussverlustes der Identifikationsfigur.

    Aber auch Revolutionärinnen machen Fehler. Auf dieses Konto gehen aus meiner Sicht

    • die Anrufung Ludwig Ehrhards für das Modell einer Sozialpartnerschaft, an dem schon die Glaubwürdigkeit der Sozialdemokratie zugrunde gegangen ist. Eine derartige Verbiegung schafft kein Vertrauen, sondern begründet ein nicht (mehr) einlösbares Versprechen.

    • die Nichtteilnahme an der Unteilbarkeit-Demo in Berlin, aber nicht etwa, um dem Standpunkt offener Grenzen für alle das Wort zu reden, sondern um den eigenen Standpunkt einzubringen, in dem es um Braindrain geht, um die Ärmsten, die sich eine Flucht nicht leisten können, um die Abschaffung von Fluchtursachen, die der Kapitalismus jeden Tag neu produziert.

    • der Irrtum, dass es mit Aufstehen mal eben so gelingen könnte, Einigkeit im linken Spektrum herzustellen. Dieser ursprüngliche Ansatz von Aufstehen ist -jedenfalls vorerst- gescheitert. Ich vermute mal, dass ihre Fehleinschätzung auch für sie persönlich eine herbe Enttäuschung war.

    Den Grund für das Scheitern sehe ich allerdings nicht bei ihr. Sie hatte ihre Schuldigkeit zunächst mal getan, indem sie ihre komplette persönliche Reputation für die Entstehung von Aufstehen in die Waagschale geworfen hat.
    Dass es aber einen großen Unterschied zwischen zujubelnden Fans und aktiven Aufstehern gibt, musste wohl auch sie erstmal lernen.
    Hätte sie -gerade in der Anfangsphase- die Zügel stärker in die Hand nehmen müssen?
    Ich weiß nicht, ob das zum Erfolg geführt hätte. Jedenfalls hätte ihr das den Vorwurf eingebracht, die ins Leben gerufene Bewegung nun auch noch einseitig dominieren zu wollen. Schon das hätte sich schwerlich mit dem proklamierten Anspruch einer Sammlungsbewegung vertragen. Und ihren Fanclub hatte sie sowieso schon. Dazu bedurfte es keiner Gründung einer neuen Bewegung.
    Zudem ist es -schon was die auf dem Spiel stehende eigene Reputation anbelangt- legitim, sich nach der Gründung erstmal zurückzunehmen, um zu sehen, was da so passiert, wie sich die Kräfteverhältnisse innerhalb der Bewegung entwickeln etc.

    Ziemlich schnell stellte sich dann die nächste Frage, wie mit dem Scheitern des Sammlungsgedankens -nicht eine der drei Parteien hat die Bewegung begrüßt- umzugehen ist.
    Bei soviel Zank und Streit innerhalb der Bewegung, der meiner Meinung nach überwiegend von interessieten Kräften forciert worden ist, ist die Gefahr groß, dass die eigene Rolle als Identifikationsfigur (siehe oben) unter die Räder gerät.
    Das zu riskieren für einen schnell schrumpfenden Haufen von Unermüdlichen? Ein hoher Preis.
    Da dürfte es aus ihrer Sicht doch erstrebenswerter sein, gestützt auf ihre Mehrheit an der Basis der PdL den Parteivorsitz anzustreben und die ganzen intriganten Wohnzimmer-Reformisten um Kipping und Rixinger in die Wüste zu schicken.
    Dabei wünsche ich ihr viel Erfolg.

    Und Aufstehen? Aufstehen wird mit ihren quer über das Schlachtfeld gerufenen Solidaritätsbekundungen Vorlieb nehmen müssen.

    Wer sich deswegen aber wieder hinsetzt, hat nach wie vor nichts begriffen, ist nach wie vor nur ein Fanboy oder ein Fangirl mit einer hoffentlich doch noch entwicklungsfähigen Bereitschaft, selbst aktiv zu werden und zu bleiben, selbst Verantwortung zu übernehmen, wo auch immer das geschieht. Aufstehen ist da sicherlich nicht alternativlos.

    Allerdings hat Aufstehen ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, denn Aufstehen verfolgt drei Ziele nebeneinander: Die soziale Frage, die Friedensfrage, die Umweltfrage.
    Das hat zwei Vorzüge:

    • Es hilft zu vermeiden, eine Frage gegen die jeweils anderen auszuspielen.
    • Es schärft den Blick auf den wirklichen Feind: Ein menschen- und umweltfeindliches Wirtschaftssystem, den Kapitalismus, der für all diese Fragen keine Anworten hat, sondern alles zerstört, was schön, wichtig, lebensnotwendig ist.

    Am Ende ist es jenseits aller Theorie für jeden Einzelnen von uns eine Frage der Liebe.
    Liebe für die Menschen, ob nah oder fern, Liebe für die Natur, Liebe für sich selbst, weil es einfach viel, viel schöner ist, Teil von etwas Gutem sein zu wollen, statt der Zerstörung um sich herum nur noch tatenlos zuzusehen.

    Jürgen Meyer
    Die Einschätzung ist richtig.Tomas. Das sehe ich weitgehend genauso. Auch Sahra macht Fehler . Der Glaube an die soziale Marktwirtschaft Erhardschen Typs gehört ganz sicher dazu - wie die Vorstellung Europas Grenzen dicht machen zu könen . Das sind Fehleinschätzungen Nur braucht es dafür ein klares politisches Programm und klar definierte sozialistische und humanistische sowie Friedens- und Ökologieziele , was ich von Anfang an fordere und auch weiter fordern werde Die alte Bülow Clique hat den Mitgliedern viel zu lange Zeit eingeredet, dass ein oberflächlich formulierter Gründungsaufruf ausreichen würde Das ist mitnichten der Fall .

    Tomas Strobel Jürgen Meyer, ich bin keineswegs der Meinung, dass Sahra Wagenknecht an die "soziale Marktwirtschaft Erhardschen Typs" glaubt oder daran, die Grenzen Europas "dicht machen zu können".
    Das zu denken, ist ja fast schon eine Beleidigung ihrer Intelligenz.

    Hinter der Propagierung Ludwig Erhards steckt m.E. ein ledigliches taktisches Kalkül, zum einen genährt von der -wie ich meine unzutreffenden- Auffassung, mangels funktionsfähiger Sozialdemokratie nun auch noch deren Job erledigen zu müssen, sowie davon, dass das Modell der angeblichen "sozialen" Marktwirtschaft als Appetizer herhalten soll, um den Menschen die Machbarkeit von Veränderungen nahe zu bringen: Schließlich hat es das ja schon mal gegeben, warum also nicht nochmal. Folglich ist es Mittel zum Zweck, die Menschen niedrigschwellig in den Kampf für ihre sozialen Rechte zu führen, aber keineswegs das Ende der Fahnenstange. Das Falsche daran ist m.E., dass man damit falsche Hoffnungen weckt und sich so automatisch zum Buhmann macht, wenn´s nicht klappt.
    Sahra Wagenknecht zu unterstellen, sie glaube, die Grenzen Europas dicht machen zu können, liegt m.E. völlig neben der Sache. Es geht ihr nicht um Wagenburgmentalität, sondern im Kern um Entwicklung statt Ausbeutung des globalen Südens, so dass die Menschen eine Perspektive im eigenen Land haben, statt ihr Leben riskieren zu müssen.

    Tomas Strobel Jürgen Meyer, ich bin keineswegs der Meinung, dass Sahra Wagenknecht an die "soziale Marktwirtschaft Erhardschen Typs" glaubt oder daran, die Grenzen Europas "dicht machen zu können".
    Das zu denken, ist ja fast schon eine Beleidigung ihrer Intelligenz.

    Hinter der Propagierung Ludwig Erhards steckt m.E. ein ledigliches taktisches Kalkül, zum einen genährt von der -wie ich meine unzutreffenden- Auffassung, mangels funktionsfähiger Sozialdemokratie nun auch noch deren Job erledigen zu müssen, sowie davon, dass das Modell der angeblichen "sozialen" Marktwirtschaft als Appetizer herhalten soll, um den Menschen die Machbarkeit von Veränderungen nahe zu bringen: Schließlich hat es das ja schon mal gegeben, warum also nicht nochmal. Folglich ist es Mittel zum Zweck, die Menschen niedrigschwellig in den Kampf für ihre sozialen Rechte zu führen, aber keineswegs das Ende der Fahnenstange. Das Falsche daran ist m.E., dass man damit falsche Hoffnungen weckt und sich so automatisch zum Buhmann macht, wenn´s nicht klappt.
    Sahra Wagenknecht zu unterstellen, sie glaube, die Grenzen Europas dicht machen zu können, liegt m.E. völlig neben der Sache. Es geht ihr nicht um Wagenburgmentalität, sondern im Kern um Entwicklung statt Ausbeutung des globalen Südens, so dass die Menschen eine Perspektive im eigenen Land haben, statt ihr Leben riskieren zu müssen.


  • AG Weltfriedenstag 01.09.2019

    Wo hast du das hergekramt? Und wie ist die zeitliche Einordnung der Beiträge?


  • GLOBALER MOD LOKALER MOD

    @Martha Liebe Martha.
    Alles gestern erstellt worden im fb Stammtisch.



  • Lieber @Guido, der zweite beitrag (kommentar) von Tomas ist zweimal vorhanden, Bitte editieren. Und dann bitte meinen hinweis loeschen, falls moeglich.


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